Montag, 14. April 2014

Gotthard *Bang* Release Party @ Volkshaus Zürich (Review, 11. April 2014)


Die kritischen Stimmen werden wohl nie aufhören. Auch das zweite Album in der Nach-Ära des Ausnahmesängers Steve Lee bringt viele Fans nicht zum verstummen. Auf der einen Seite verständlich. Auf der anderen Seite wiederum nicht. Es ist wie nach Bon Scott's Tod als AC/DC mit Brian Johnson einen Neustart wagten. Die Kritiker sind bis heute geblieben, obwohl seit 1980 unzählige, tolle Songs geschrieben wurden. So wird es wohl auch bei Gotthard bleiben, wenn der "Neue" alte Hits (nach-)singt. Nic Maeder hat eine gute Stimme, die Steve Lee's Stimme bisweilen verdammt ähnelt, aber eben doch differenziert klingt.

Ich kriege auch heute noch eine Gänsehaut, wenn die Songs Heaven oder One Live, One Soul gespielt werden und klar habe ich noch Steve's Stimme im Ohr, wenn die Worte "Let me find my piece of heaven" erklingen. Das wird auch bei mir hoffentlich noch lange so bleiben. Und trotzdem liebe Musikfreunde, verdient der "Neue" meine Hochachtung und so viele Chancen wie er braucht. Die Band um Leo Leoni wird nämlich auch in Zukunft viele Hard Rock Songs produzieren.

Das letzte Album mit Steve Lee *Need To Believe* war für mich eine Wucht, welches mit dem letzten Konzert, bei welchem ich Steve live sah, gekrönt wurde. Die Eishalle Wetzikon war im Mai 2010 sehr gut gefüllt und das Drum Battle zwischen Steve und Hena legendär. Ich vermisse diese Drumsessions wirklich. Aber Nic Maeder spielt halt Gitarre und keine Drums. Aber er spielt die Gitarre verdammt gut, wenn er denn mal darf. Das zeigte er schon bestens auf seinen eigenen Platten vor der Gotthard-Ära mit seinem Bruder. Zudem kann er auch tolle Musik schreiben.

Ich sah Gotthard mit dem "Neuen" nun schon zum 5. Mal live (Plaza Firebirth Release Party 2012, Moon and Stars 2012, Schupfart 2012, Firefest Nottingham 2012, Volkshaus 2014) und bin immer noch und immer mehr begeistert. Nic macht seine Sache sehr gut.
Am eindrücklichsten waren für mich seine Auftritte am Firefest, als die Band zum ersten Mal seit Steve's Tod wieder nach UK kam und die äusserst kritischen Leute vollends überzeugte und natürlich der erste und legendäre Auftritt am Moon & Stars vor heimischem Tessiner Publikum. Kollektives Trauern und Weinen war angesagt. Fantastische Stimmung mit vielen Emotionen.

*Remember It's Me* von der Firebirth Scheibe war eine typische Gotthard Ballade und Single und spaltete die Fans in zwei Lager, weil der Nic sich anmasste, so einen Song zu spielen. Ich finde, es war genau der richtige Weg, den die Band einschlug. Mich überzeugte er sofort. Und mit *Starlight* war ein weiterer Hit geboren.

Der letzten Samstag lief für mich halt schon wieder unter business as usual und ich störte mich eher an der Qualität des Sounds als am Sänger. Zu dumpf tönte das Ganze am Anfang und zu breiig die Gitarren während des Konzertes. Nichtsdestotrotz ist *Bang* eine kuhle Hard Rock Scheibe, die die eingeschlagene härtere Gangart zurück zu den Wurzeln kontinuierlich weiterverfolgt. Und Live tönt Gotthard eh immer einen Touch härter als auf Platte, dass war schon zu Steve Lee's Zeiten so. Und wer wollte letzten Samstag schon den Marc mit langen Haaren verpassen?

Es sind auch jetzt wieder Hits wie auf dem 12. Studioalbum *Bang* darunter, auf die sich die Band in Zukunft konzentrieren kann und die Band noch weiter von Steve Lee's Vermächtnis wegbringt (was eh unmöglich sein wird), und somit immer weniger Fans sich betupft fühlen, wenn Nic die alten Lieder covered. Ich denke da an die Songs *Junp The Gun* oder *Bang* oder die Single-Ballade *Feel What I Feel*.
Der neue Weg ist und bleibt ein Paris-Roubaix mit vielen holprigen Pflastersteinen. Für mich gehört ein *Mountain Mama* ebenso zu einem Gotthard Konzert wie der Deep Purple Song *Hush*. Ich bin sicher, das sehen viele Fans genau so.

Keep on rockin' Gotthard.


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