Montag, 30. März 2015

Petition: Mehr Schweizer Musik im Schweizer Radio

Die Musikschaffenden der Schweiz fordern eine Einheimischen-Quote für die Radios. Ich finde das gut. Ihr?




Die Musikschaffenden Schweiz lancieren eine Petition für mehr einheimische Musik in den Schweizer Radios
Wir, die Schweizer Musikschaffenden
Wir, die Schweizer Musikfans
verlangen, dass mehr Schweizer Musik im Radio gespielt wird. ¨

Ein grosser Teil der Leute entdeckt neue Musik am Radio.
Die meisten Länder fördern ihre einheimische Musikszene, indem sie diese im Radioprogramm unterstützen.
Die Schweiz soll das auch tun.

Unterzeichnet unsere Petition hier!

„Wir machen keine Hits, wir spielen sie!“
Diese Standard-Antwort erhalten viele Schweizer Bands von Privatradios als Begründung, warum ihre Songs es nicht ins Programm schaffen. Die Acts und ihre Songs müssen es auf anderen Kanälen bereits geschafft haben, damit man sich traut, sie dem Schweizer Publikum vorzuspielen. Diese Haltung disqualifiziert Schweizer Acts schon an der Startlinie.

Musictesting:
Viele kommerzielle Radiostationen lassen bei Marktforschern Songs für ihr Zielpublikum testen. Diese Tests werden nicht selten für mehrere Radiostationen zusammen gemacht, zudem ebenfalls oft im Ausland. Musikredaktionen haben also beschränkte Freiheiten, welche Titel sie trotzdem, bzw. zusätzlich ins Programm nehmen können. Das bedeutet, dass man das Problem auf Betriebsleitungsebene angehen muss, die Redaktionen selber können vieles nicht entscheiden. Deshalb braucht es klare Vorgaben vom BAKOM (Bundesamt für Kommunikation), welches die Konzessionen vergibt und die Bedingungen stellen kann.

„48% der Konsumenten entdecken Musik vor allem am Radio!“

2013 und 2014 spielten die kommerziellen Deutschschweizer Privatradios nur gerade 9 % einheimische Musik, wenige über 10%, einige nur 2% 1. Alle diese Sender erhalten Gebührengelder. Wir sind der Meinung, dass damit auch eine Verantwortung gegenüber den lokalen Musikschaffenden einhergeht. 1) Publicom 2013, 2014

Ist Radio noch wichtig? „48% discover music most often through the radio, 10% discover music most often through friends/relatives, 7% discover music most often through YouTube.” Nielsen 360-Report 2012 (USA)

Politische Hintergründe:
Bereits 2001 hat die heutige Bundesrätin Doris Leuthard in einer Motion gesetzliche Unterstützung für die Schweizer KünstlerInnen gefordert: „(Es ist) sinnvoll, dem Schweizer Kulturschaffen im gebührenfinanzierten Radio und Fernsehen eine angemessene Förderung zukommen zu lassen.“1 Auf ihre und andere Motionen antwortete der Bundesrat positiv: „Mittels eines abgestuften Systems von Zugangsberechtigungen sollen diejenigen Radioveranstalter einen privilegierten Marktzugang erhalten, die sich über ein überdurchschnittliches Engagement bei der Förderung einheimischen Musik- und Kulturschaffens ausweisen können.“2 Nach unserer Einschätzung ist das im Bereich der Privatradios nicht umgesetzt worden.
1) Motion 01.3248, Doris Leuthard
2) Antwort auf Motion 01.3392, Bernhard Hess

Anteile einheimischer Musik, internationale Beispiele:
Europa: Die aktuellsten Zahlen stammen von 2007: Damals hatten die europäischen Länder einen durchschnittlichen Anteil von 40% einheimischer Musik bei den einheimischen Sendern. Gesetzliche Quoten sind nicht der einzige Weg, es gibt auch Beispiele für freiwillige Quoten. Eine weit ausholende gesamteuropäische Studie aus Österreich kam 2005 zum Schluss, dass zwar der Zusammenhang von Radiopräsenz und Marktchancen evident sei, eine fixe Quoten-Regelung allerdings auch Gefahren berge, wenn sie zu wenig differenziert sind. (z.B. mehr Plays für nur wenige Songs)
www.sos-musikland.at,

Frankreich, Beispiel einer differenzierten gesetzlichen Quote und die Effekte im Markt

Die gesetzliche Quote in Frankreich ist differenziert und trägt den unterschiedlichen Formaten Rechnung:
1994: Verpflichtung 60% europäische Musik.
40% französischsprachig. Davon die Hälfte «Newcomer». Sender mit Schwerpunkt auf französischer Musik können die Quote bis auf 60% erhöhen und müssen dafür nur 10% Newcomer bringen.
Sender mit jüngerem Publikum können die Quote bis auf 35% beschränken, wenn sie dafür 25% Titel neuer Talente ausstrahlen.
Die Verkaufszahlen der französischen Musikbranche sprechen für die Quote: Seit 1994 stieg der Anteil der französischen Musik deutlich (bereits 2002 fast 60% einheimische Produktionen verkauft).
2013: 17 der 20 bestkauften Alben sind frankofon.
Aus den 200 bestverkauften Alben 2013: 59% französische Acts, davon 92% französisch gesungen.
(Quellen: FAZ, Wikipedia, div. Presseartikel online, Rapport SNEP 2014)

Schweden, Beispiel einer freiwilligen Quote: Der „Mustermarkt“ Schweden kennt eine „intern formulierte Quote von 40% für schwedische Musik auf allen Musiksendern.“ Zitat Pia Kalischer, Programmverantwortliche Sveriges Radio (2011, Feusi, Küttel, Uni Basel, « There’s no (swiss) business like (swedish) showbusiness! »)

Unsere Forderung:
- Eine schrittweise Aufstockung auf 30 – 40% Schweizer Musik im gesamten Programm innerhalb von 5 Jahren.
– Dabei sollen sowohl die Reichweite wie die Vielfalt der gespielten Songs Kriterien sein. Also:

Nicht nur Nachtprogramm und Randzeiten für Schweizer Musik, sondern gute Präsenz im Tagesprogramm.
Nicht nur höhere Rotation für wenige verschiedene Titel, sondern ein breites Angebot.
Hörgewohnheiten entstehen beim Hören.
(via)

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