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Dienstag, 20. Mai 2014

ÜBERNAHMEGERÜCHTE: Warum SoundCloud bei Twitter nicht gut aufgehoben wäre

(via Netzwertig.com)


Recode berichtet, Twitter sei an einem Kauf von SoundCloud interessiert. Spiegel Online schreibt, ein solcher Deal sei bereits wieder vom Tisch. Das wäre besser – für User und für beide Unternehmen.

Wenn zwei angeschlagene Internetunternehmen zu einer Firma fusionieren, ergibt sich daraus dann eine Stärkung beider Angebote? Genau derartige Überlegungen scheint es bei Twitter undSoundCloud zu geben: Gemäß Recodedenkt erstgenanntes Unternehmen über eine Akquisition der Berliner Audioplattform nach. Es ist das dritte konkrete Übernahmegerücht mit Beteiligung großer Akteure innerhalb von zwei Wochen (nebenApple/Beats und YouTube/Twitch). Spiegel Online will allerdings erfahren haben, dass Twitter sich doch gegen eine Übernahme der Hauptstädter entschlossen hat. Es wäre besser so, denn beide Firmen haben Baustellen vor der Tür.

Twitters Wachstumssorgen sind gut dokumentiert. Doch auch SoundCloud entwickelt sich nicht mit der Geschwindigkeit, die man ursprünglich erwartet hätte. Sieben Jahre nach der Gründung schreibt das Startup, das sich als eine Art “YouTube für Audio” positioniert, keine schwarzen Zahlen. Das verwundert nicht so sehr, denn die einzige nennenswerte Erlösquelle stellt bislang die Bereitstellung von kostenpflichtigen Pro-Konten für Musiker und DJs dar. Zwar experimentiert der Dienst seit kurzem auch mit Sponsoring- und Werbekampagnen. Doch diese auf einer Plattform zu integrieren, deren Kern eine hochengagierte, aber auch empfindliche Zielgruppe aus Liebhabern darstellt, die auf Veränderungen gerne kritisch reagieren, ist nicht leicht.

Apropos “hochengagierter Kern”: Im vergangenen Jahr ging SoundCloud dazu über, nicht mehr die Zahl registrierter Nutzer anzugeben, sondern eindeutige User, die irgendwo im Web mit einem bei SoundCloud gehosteten Audioobjekt interagieren. 250 Millionen waren es im Oktober 2013. Das klingt natürlich nicht schlecht. Mitglieder mit SoundCloud-Konto gibt es aber weniger. Die letzte bekannte Zahl stammt aus dem Sommer vergangenen Jahres und wurde mit 40 Millionen angegeben. Anstelle dieser Metrik in der offiziellen Zählung lieber alle User zu berücksichtigen, die auf einer beliebigen Website mit SoundCloud in Kontakt kommen, ist nicht per se falsch – YouTube verfährt ähnlich (“Views”). Doch das Videoportal verdient sein Geld mit Werbung, bei SoundCloud dagegen sind Anzeigen trotz erwähnter Experimente noch rar. Von daher wirkt die Maßnahme, die “Kontakte” mit SoundCloud in den Vordergrund zu stellen, auch wie ein Schritt, um von den deutlich langsamer zulegenden Mitgliederzahlen abzulenken.

SoundCloud als Problemfall zu bezeichnen, wäre sicherlich nicht angemessen. Doch die Gründer Alexander Ljung und Eric Wahlforss verspüren mit Sicherheit einen ziemlichen Druck. Denn die bislang eingesammelten 123 Millionen Dollar Venturekapital wollen irgendwann eine Rendite sehen. Da Ljung und Wahlforss selbst zwei passionierte Musikliebhaber und -macher sind und mit ihrer Authentizität die Atmosphäre der Plattform maßgeblich geprägt haben, dürfte ihnen der Zwang zur beschleunigten Kommerzialisierung nicht leicht fallen. Denn gerade im künstlerisch-kulturellen Bereich geht diese meist mit einem Verlust der beschriebenen kreativen Stimmung einher. Zumal das Unternehmen aus Berlin, das bislang in einem rechtlichen Graubereich agierte, für eine langfristige Etablierung die Labelsauf seine Seite holen muss.

SoundCloud und Twitter weisen damit eine Reihe von Gemeinsamkeiten auf: Fehlende Profitabilität auch nach vielen Jahren des Bestehens; einen zahlenmäßig eher geringen, dafür loyalen, meinungsstarken und empfindlichen harten Kern an Mitgliedern und eine – im Vergleich mit anderen Netzriesen – mittelmäßige erweiterte Reichweite, die (noch) schwer zu monetarisieren ist. Und beide stehen unter dem Druck, beweisen zu müssen, dass sie das Vertrauen der VCs (SoundCloud) und Anleger (Twitter) verdienen.

Dass diese zwei Firmen verschmelzen könnten, erscheint trotz oder eher aufgrund dieser Parallelen fragwürdig. Eventuelle Synergien, die sich in den Bereichen Datenanalyse, Marktforschung und Vermarktung ergeben, wirken nicht substantiell genug, als dass sich Twitter mit den Erlösen aus dem Börsengang ein Startup ans Bein bindet, das ähnliche Schwächen aufweist wie die Kalifornier. Twitter benötigt nicht noch zusätzliche Baustellen (Label-Verhandlungen?!), und SoundCloud bräuchte – wenn – dann einen Partner, der das Ökosystem des Musik- und Audiogeschäfts versteht und “fühlt“. Wie wäre es mit Spotify?

Auf unsere Bitte zu einer Stellungnahme zu den Gerüchten hieß es bei SoundCloud erwartungsgemäß “kein Kommentar”.

Mittwoch, 24. April 2013

Twitter Music und Spotify machen zu wenig aus ihren Möglichkeiten

Musiktipps mit den besten Freunden zu teilen, war einst Volkssport im Social Web. Mittlerweile ist das erstaunlich schwierig geworden. Die Sperrung vieler Videos auf YouTube ist nur eine Seite der Medaille: Musikdienste vernachlässigen ihre sozialen Funktionen.

Bisher sehe ich im neuen Spotifynicht gerade eine Killer-App. CEO Daniel Ek hat die neue Version in einer großen Präsentation im Dezember angepriesen und dabei das neue Follower-Prinzip vorgestellt. Man kann seinen Freunden und Künstlern wie Bruno Mars folgen. Wenn Mars oder ein anderer Künstler eine neue Single auf dem Markt hat, kann man sich darüber benachrichtigen lassen. Die neue Daft-Punk-Single wurde mir auf diesem Wege empfohlen, was ich ganz nett fand. Das war es aber auch im Prinzip schon mit den neuen sozialen Funktionen.



“Social Web” – für wie viele Dienste ist dieser Begriff benutzt worden. Social ist praktisch alles, wo wir mit Freunden interagieren können. Genau das ist aber bei Spotify und anderen Diensten nach wie vor schwer. Ich kann Freunden zwar folgen; ihnen einen Song zu empfehlen, ist aber nach wie vor eine Funktion, die in einem Unterpunkt des Kontextmenüs versteckt ist. Nachlesen, was sie im Moment hören, kann ich nun etwas schlechter über den neuerdings überfrachten Feed in der rechten Seitenleiste auf Spotify. Mich etwa in das Eintunen in das, was sie hören, kann ich nicht.

Dabei war eine solche Funktion doch eigentlich schon längst erfunden worden – in Deutschland: Das Berliner Startup WahWah.fm wollte die App sein, in der man sich in die Playlists der Menschen in der Umgebung einhacken konnte. Hören, was die anderen hören, im gleichen Moment. Ein erstaunlich charmanter Versuch, Menschen in der Umgebung miteinander bekannt zu machen – und seiner Zeit um Jahre voraus. Irgendwann ging den Berlinern das Geld aus, der Investor Senzari stieg ein – und bietet die frischeneue Version der App, die nur noch WahWah heißt, derzeit nur in den USA an.

Erst registrieren, dann Song in voller Länge hören

Durchaus moderner als Spotify präsentiert sich hier der Mitbewerber Deezer, der die neuesten Aktivitäten der Freunde anzeigt – eine Funktion, die Last.fm seit rund zehn Jahren bietet. Schickt man einem Freund den Link zu einem Song, leiten zumindest Deezer und auch der deutsche Mitbewerber Simfyimmerhin auf die jeweilige Webversion um und bieten eine 30-sekündige Vorschau an. Deezer spielt sie sofort ab. Alles weitere hängt davon ab, ob man beim jeweiligen Dienst registriert ist. Deezer immerhin bietet nach wie vor ein Kostenlosangebot – nachdem man sich per Facebook registriert hat, kann man Songs in ganzer Länge hören, die von Werbung unterbrochen werden. Der Konkurrent Rdio verlangt eine Registrierung, bevor er einen empfohlenen Song abspielt; Spotify ebenfalls.

In der neuen Version von Spotify ist es jetzt einfacher, Musik an einen Freund zu schicken, der ebenfalls Nutzer des schwedisch-britschen Musikdienstes ist. Folgt man ihm, gibt es in seinem Profil die Schaltfläche “Musik senden”. Hier muss man die Suche bemühen. Will man eine Playlist schicken, wird der Freund über einen open.spotify-Link auf die Webversion umgeleitet – obwohl der Austausch über die App stattfinden könnte. Ihm Nachrichten zu schicken, ist praktisch nur in Verbindung mit einem Song möglich. Über die App zu chatten, funktioniert nicht. Nur Deezer bietet ein leicht zugängliches, internes Nachrichtensystem, aber keinen Chat.

Twitter Music: Guter Ansatz

Den Umstand, dass man zum Abspielen eines Songs einen bestimmten Player benötigt, löst auch Twitter #music nicht. Empfehlungen lassen sich zwar direkt twittern – aber nur über einen jeweils angeschlossenen Dienst anhören, bei dem der Absender Mitglied sein muss. Trotzdem gefällt mir das Konzept gut, weil es die Möglichkeit bietet, sich in der Rubrik “now playing” sehr leicht die Musik der Freunde anzuhören. Der Service, der am vergangenen Wochenende in Deutschland startete, ist aber noch ausbaufähig.

Viel verlange ich eigentlich gar nicht. Ich würde gerne mit Freunden oder anderen Hörern interessanter Musik innerhalb einer App chatten können. Ich würde gerne Freunden Links zu Songs schicken, die sie sofort und in voller länger abspielen können. Und ich würde gerne live das hören können, was meine Freunde oder eine x-beliebige andere Person hört, deren Profil mir interessant erscheint oder die bei mir um die Ecke wohnt. Keine in Deutschland verfügbare App bietet bislang all diese Funktionen, die technisch gesehen eigentlich keine große Herausforderung mehr sind. Wenige Jahre, nachdem man fast jeden Song problemlos auf YouTube finden und dort mit anderen teilen konnte, ist das ein Rückschritt. Oder positiver ausgedrückt: Hier ist noch viel Luft nach oben.

(via)
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